Tag 5-6, Stepanakert-Martakert-Stepanakert

Tag 5, 12. Juli, So, Stepanakert-Martakert

Stepanakert-Martakert-StepanakertIch verließ Stepanakert, um in Richtung Norden aufzubrechen und dort auch wieder nach Armenien zu kommen. Vorher wollte ich noch in die, eigentlich militärisch gesperrte, Stadt Agdam, die vom Krieg vollständig zerstört wurde. Ich wurde zufällig von einem dort arbeitenden Soldaten mitgenommen, der allerdings Geld haben wollte. Trotzdem willigte ich ein.
Die Stadt ist nicht mit Tschernobil/Pripjat zu vergleichen. Dort stehen noch die Häuser, Pripjat ist eine Geisterstadt. In Agdam stehen in größtenteils höchstens noch die Außenwände – die Moschee wurde allerdings nicht zerstört. 30’000 Menschen hatte die Stadt einmal ein Zuhause geboten, nun wohnen dort noch eine Hand voll Soldaten und Händler mit ihrem Vieh.
In Martakert fand ich niemanden, der mich mitgenommen hätte. Also lief ich wieder einmal. Als ich an einen umgestürzten Strommast und eine Panzerkarosserie kam, beschloss ich, dort mein Lager aufzuschlagen. Es kam auch noch eine junge Familie vorbei, die extra umkehrte, um mich zum Bleiben in ihrem Haus zu überreden. Das war extrem freundlich, aber ich wollte endlich einmal in meinem Zelt schlafen.

Tag 6, 13. Juli, Mo, Martakert – Stepanakert

Ich wurde von einem LKW mitgenommen und durfte auf der Ladefläche Platz nehmen. Es war eine huckelige Fahrt, die mitten in einem Wald endete. Während ich weiterlief, bemerkte ich viele merkwürdige Insekten, die scheinbar unkontrolliert herumflogen. Ein altes Ehepaar nahm mich dann in die nächste Stadt, Heyval, mit. Dort hoffte ich, Postkarten kaufen zu können. Es stellte sich heraus, dass die nächste Post in Stepanakert ist. Also beschloss ich, wieder zurückzufahren, denn die Postkarten waren mir wichtig (die Karten sind beim Erstellen dieses Eintrages im März ’16 noch nicht angekommen).
Ich wollte von 4 Typen mitgenommen, von denen einer eine Schnellfeuerpistole mit sich führte, was sehr skurril war.
In Stepanakert zeltete ich dann neben einem Friedhof in der Nähe des Weltkriegsdenkmals und zur Post konnte ich erst am nächsten Tag, da an diesem Tag Feiertag war.
Abends kam auch ein Typ, der mich die ganze Zeit zuquatschte und mich auch zu sich einladen wollte, aber ich vertraute ihm nicht. Später kamen auch noch Polizisten, aber die hatte kein Problem damit, dass ich dort schlafen würde.

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