Tag 23-24, Mestia-Abchasien, Riza

Tag 23, 30. Juli, Do, Mestia-Abchasien

Mestia-AbkhaziaAn diesem Tag wollte ich in die zweite “abtrünnige” Kaukasusrepublik nach Bergkarabach fahren, nach Abchasien. Abchasien ist ein bisschen berühmter als Bergkarabach, aber leider auch nur durch kriegerische Auseinandersetzungen. Die Historie ähnelt sich aber sehr: Nach dem Zerfall der Sowjetunion strebten die Abchasen (wie auch die Südosseten) ihre Unabhängigkeit an, Georgien wollte dies jedoch nicht akzeptieren. Von 1992 bis 1993 kam es zu einem Krieg, bei dem die Georgier auch Abchasien vertrieben wurde und 1994 erklärte sich Abchasien für unabhängig. Als es im August 2008 wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Georgien und Südossetien kam, spielte Abchasien auch eine Rolle und wurde von Russland nach Beendigung der Kampfhandlungen als Staat anerkannt, was zu einem Tourismusboom führte. Die Nationalwährung ist auch der Russische Rubel.
Georgische Staatsbürger dürfen übrigens nicht nach Abchasien, wurde mir gesagt. Die Leute die ich kennenlernte, war erbost oder auch sehr traurig darüber und meist neidisch, dass ich hinfahren durfte. Denn die Berge liegen nicht weit vom Schwarzen Meer entfernt und daher ist es wirklich eine nette Feriendestination sowohl für den Hotelurlauber als auch den Individualreisenden.

Meine Route führte nach Sugdidi, wohin ich mit Deutschen mitgenommen wurde, die ich auf dem Campingplatz kennengelernt hatte. Von dort lief ich dann mehr oder weniger zur Grenze.
Man muss seinen Pass an einem georgischen Kontrollpunkt vorzeigen, obwohl Abchasien von Georgien nicht als unabhängig anerkannt wird (wie die Krim). Zur Einreise nach Abchasien benötigt man auch eine Visum, das man im : Internet “bestellen” kann und erhält dann eine Einreiseerlaubnis. Das hat bei mir 9 Tage gedauert.
Nach dem Passcheck auf georgischer Seite muss man zu Fuß (oder auf einer Pferdekutsche, die aber langsamer ist) durch eine entmilitarisierte Zone und gelangt über eine Brücke über den Fluss Enguri nach Abchasien. Dort wird der Pass und die Einreiseerlaubnis kontrolliert und dann das war’s.
Das Trampen war aber mühsam. Im Internet auf DER Seite für Trampen steht, dass es sehr einfach sei, aber diese Erfahrung konnte ich überhaupt nicht bestätigen. Die Wartezeiten waren lang und fast alle, die anhielten wollte Geld und verhielten sich flegelhaft, wenn erwähnte, dass Autostop ohne Geld ist.
Vor allem der Süden Abchasiens ist nur spärlich besiedelt und es sieht generell ziemlich heruntergekommen aus; viele zerstörte Häuser sind am Straßenrand zu erkennen. Von einem ehemaligen Polizisten, der betrunken war und ständig auf die Gegenfahrbahn schlingerte, von den Verkehrspolizisten aber nur freundlich gegrüßt wurde, ließ ich mich an einem Fluss absetzen, wo ich mein Zelt aufschlug.

Tag 24, 31. Juli, Fr, Riza

An dem Tag machte ich mich zum See Riza auf, der nicht nur für seine schöne Lage gemocht wird, sondern auch für die Sommerresidenz Stalins bekannt ist.
Doch vorher musste ich noch in Sochumi vorbei, der Hauptstadt der Republik Abchasien. Dort musste ich meine Einreiserelaubnis in ein Visum umwandeln. Ich hatte ursprünglich ein Visum für einen Monat beantragt (es gibt 10 Tage, 30 Tage,…) konnte aber dann auch ein 10-tägiges erwerben, was kostengünstiger war. Das Visum wird generell nicht in den Pass geklebt.
Aus Sochumi brachte mich ein verrückter Fahrer aus Dagestan (Russland, muslimisch geprägt); seine Fahrweise war verrückt, wie generell von Abchasen. Er fuhr rasend schnell, mindestens 100km/h – egal ob Stadt oder Überland. Dann fand vor uns ein Überholmanöver statt. Da aber selbst der Überholende meinem Fahrer zu langsam fuhr, überholte er ihn noch. Das heißt, auf der zweispurigen Straße fuhren dann drei Autos nebeneinander und von vorne kamen natürlich auch noch Autos – das war echt wahnsinnig.
Auf dem Weg nach Riza hatte ich leider meine bisher schlechteste Trampbegegnung, das ein typisch muskulös-fetter abchasischer Fahrer als Gegenleistung zum Mitnehmen einen geblasen haben wollte. Ich fuhr dann mit einer sehr netten russischen Familie mit, die aus dem 4200km entfernten Surgut bei Chanty-Mansijsk kamen. Gemeinsam besuchten wir die Datscha von Stalin und fuhren dann abends nach Pizunda ans schwarze Meer. Dort kauften wir etwas zu essen, aßen gemeinsam und die Familie campte auch mit am Strand – sehr cool.

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Tag 1-2, Teheran – Armenien

Tag 1, 8. Juli, Mi, Teheran – Jolfa (azerbaidschanische Grenze, Nachitschewan)

Teheran-Jolfa-TsavUrsprünglich wollte ich meine Reise schon einen Tag eher beginnen. Allerdings war der 7. Juli ein Feiertag im Iran, an dem scheinbar keine Züge fuhren.
Jedenfalls war ich froh, endlich aufbrechen zu können. Um 17.20Uhr fuhr mein Zug und ich konnte den Luxus genießen, nur mit einem weiteren Reisenden ein 6er-Abteil zu teilen. Er hieß Jafar und war leider mächtig stolz mit einem Deutschen im Abteil zu sein, sodass er sich im Zug wie der König aufführte.

Tag 2, 9. Juli, Do, Jolfa – Tsav (Armenien)

Nachdem ich in Jolfa angekommen war, machte ich mich per pedes auf zum Stadtrand. Zwischendurch wurde ich von der Polizei angehalten. Aber da ich auch früheren Begegnungen mit denen im Iran gelernt hatte, gab ich vor, nur Englisch zu sprechen. Da diese beiden des Englischen aber nicht mächtig waren blieb es nur bei einem “Hello” und nach einigem Schweigen “Good bye”.
Ich tat mich anfangs schwer mit dem Trampen; vielleicht weil ich wusste, was für Konversationen auf mich warten könnten – über die ach so offene Welt in Europa, wie leicht es sei, dort Frauen zu verführen…
Also lief ich unter der sengenden Sonne, doch die 60km bis zur Grenze konnte ich so natürlich unmöglich zurücklegen. Nach ein paar Minuten Warten wurde ich dann auch bis zum Grenzübergang Norduz mitgenommen. Dort traf ich dann auch das erste Mal auf die berüchtigten Radfahrer, die von Europa nach China fahren. Ich unterhielt mich bestimmt eine Stunde mit ihnen, doch so langsam wollte ich einfach ausreisen.
Die armenisch-iranische Grenze wird auf armenischer Seite von russischen Soldaten kontrolliert. Ich habe meinen Pass noch nie so akribisch untersucht gesehen. Währenddessen unterhielt ich mich einfach mit einem jungen Soldaten aus der Nähe von Wladiwostok.
Vom Grenzort Agarak gibt es zwei Straßen Richtung Norden nach Kapan, von denen eine die Hauptstraße über Kajaran war. Diese nahm ich natürlich nicht. Deshalb musste ich auch das meiste Stück bis zum nächsten Dorf Schwanidsor (Shvanidzor) laufen.
Das gab mir aber die Möglichkeit, die Grenzlandschaft genauer unter die Lupe zu nehmen: Es gab extrem viele verfallene Gebäude und Industriebrachen aus Sowjetzeiten.
In Shvanidzor wollte ich dann die Nacht verbringen, weil keine Autos mehr fuhren. Doch gerade als ich meinen zur Neige gegangenen Wasservorrat aufgefüllt hatte, wurde ich noch mitgenommen. Die Straße wand sich hoch in die Bergwelt, wo die Luft so herrlich frisch war. Eine wahrlicher Hochgenuss nach drei Monaten Abgasluft in Teheran.
In Tsav angekommen wurde mit praktisch die Wohnung von Miro und seiner Familie zum Übernachten und Essen aufgezwungen. Das Essen war zwar sehr fleischhaltig, aber die Mutter von Miro machte mir sogar noch ein Fußbad.

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